Sind wir wirklich auf dem Mond gelandet?

Hurra! Hier ist noch ein Bonuskapitel aus unserem Buch „Warum landen Asteroiden immer in Kratern?“ in dem Günther „Gunkl“ Paal die Sache mit der angeblich nur vorgetäuschten Mondlandung erklärt.

Wir waren auf dem Mond. Also natürlich nicht wir, sondern ein paar Menschen. Die waren auf dem Mond. Sagt die NASA. Andere sagen: „Niemand war auf dem Mond. Man hat uns belogen.“ Aha.
Wollen wir die physikalischen Fakten vorerst einmal außer Acht lassen, und beschäftigen wir uns mit der Frage, worin die Vorteile der jeweiligen Position liegen; also was hat die NASA davon zu behaupten, es wäre gelungen, auf dem Mond zu landen, und was haben die, die behaupten, es wäre nicht so, ihrerseits davon?

Die Position der NASA ist ziemlich klar; die kriegt eine Menge Geld dafür, dass sie im Weltall herumfliegt. Und die Mondlandung hat ihr ein Präsident recht öffentlich ins Pflichtenheft geschrieben, da wär das blöd, wenn man sagt: „Leider, das haben wir nicht geschafft, das müssen wir schuldig bleiben, aber wir haben schon ganz tolle Ideen, was wir mit dem Budget fürs nächste Jahr sonst alles machen können.“ Dann sollte man das zumindest ernsthaft versuchen. Es sei denn, es sprechen prinzipielle Gründe dagegen, wie zum Beispiel, man weiß, dass ein Strahlungsgürtel die Erde umfasst, den man nicht durchqueren kann, ohne augenblicklich als malignes Ganzkörpermelanom aufzuplatzen wie ein Popcorn. Dann sollte man das lieber erst gar nicht versuchen. Das sollte man dann aber gleich laut sagen. Wenn dieser Strahlungsgürtel tatsächlich so furchtbar wäre, dann ließe sich das nicht sehr lange verheimlichen, und eine Lüge, die als solche erkennbar ist, ist keine, zumindest keine gute. Wenn der Strahlungsgürtel zwar vorhanden ist, er aber, wenn man ihn mit entsprechender Geschwindigkeit durchquert, den Astronauten bloß eine zusätzliche Strahlenbelastung beschert, die sie in zwei Jahren auf der Erde auch abbekommen, dann kann man eine Mondlandung getrost ausprobieren.

Natürlich ist man geneigt, wenn man lügt, das so zu machen, dass man dabei möglichst gut ausschaut. Man würde im Interesse der Glaubwürdigkeit (eine Lüge, die als solche erkennbar ist, ist keine, s. o.) ein paar kleine Rückschläge konstruieren, schon einmal, damit das nicht wie ein Spaziergang aussieht, der ohnehin nicht so wahnsinnig kompliziert ist. Aber drei Astronauten auszubilden, was viel Geld kostet, und die drei dann in einem Bodenversuch abzufackeln, damit das wie „echt schwer“ ausschaut, ist bei aller moralischer Verwerflichkeit eine Meisterschaft der Lüge, die in krassem Widerspruch zu dem steht, was an sonstigen Fehlern beim Lügen unterstellt wird (etwa, ein Stein am Mond hätte eine Requisitennummer, die niemand bemerkt hat). Nun gibt es auch die Behauptung, die drei verbrannten Astronauten hätten gewusst, wenigstens geahnt, dass das alles ein Schwindel ist, und wären deshalb getötet worden. Es müssten also zwei unterschiedliche Teams von Lügnern an dieser Verschwörung beteiligt gewesen sein. Zum einen diabolische, skrupellose Meister, die in der menschlichen Psyche spazieren gehen und dort jeden Schalter kennen und bedienen können, und zum anderen komplette Idioten, die zum Beispiel nicht wissen, dass es am Mond keine Atmosphäre gibt, in der eine Fahne flattern könnte. Und das perfekte, zumal skrupellose Team hätte nach Beendigung der Vorarbeiten seinen Platz kampflos dem Idiotenteam frei gemacht.

Das zum Beispiel hätte schon einmal passieren müssen, wenn die NASA bei der Mondlandung gelogen hätte, wozu sie Grund gehabt hätte, wäre die Mondlandung unmöglich gewesen.
Was ist nun der Vorteil bei der Behauptung, wir wären belogen worden? Schon einmal das „wir“, das sich damit konstruieren lässt. Und zwar sehr einfach konstruieren lässt. „Wir für“ ist viel schwerer herzustellen und lange nicht so stabil wie „Wir gegen“, am allereinfachsten ist ein „Die gegen uns“, da erspart man sich auch die Konstruktion von Gründen, warum man gegen etwas ist, da wird einem Gegenüber eine böse Absicht unterstellt, die nämlich so böse und deshalb auch geheim ist, dass sie in ihren Grundzügen nicht näher ausformuliert werden muss (auch nicht kann), und wer sich benachteiligt fühlt, was im Mittelstandswesten nicht ganz selten vorkommt, kann sich in das „Wir“ eingliedern.

Nun wird von Seiten der Mondlandungsskeptiker an die, die sie für echt halten, gern einmal der Vorwurf gerichtet, leichtgläubig zu sein, als stünde hier Wissen gegen Glauben. Das stimmt zwar, aber die Laufrichtung ist umgekehrt. Wer die Mondlandung für echt hält, glaubt sehr wohl, dass stimmt, was die NASA sagt, aber dieses Glauben ist nicht in ein konfessionelles Gerüst eingebunden, das nur durch eine Vielzahl von unbeweisbaren Zusatzannahmen überhaupt zusammenhält, sondern ist vielmehr einfach die Annahme, dass es auf dem Boden dessen, was die Physik über die Natur weiß, möglich ist, Menschen auf den Mond und wieder zurück zu bringen, und dass das auch schon getan wurde. Die deutsche Sprache bietet da leider keine deutliche Unterscheidung zwischen einer wohlerwogenen Annahme und einem religiösen Glauben. Also gut: Es gibt Menschen, die glauben, dass die Mondlandung echt war, aber eben nicht religiös, sondern pragmatisch; das basiert auf dem, was man weiß: Mit dem, was wir (Menschen) wissen, haben wir etwas gemacht, was man wissen kann.

Und es gibt Menschen, die das nicht glauben. Das aber in einer Grammatik, die durchaus religiöse Muster aufweist. Das Gegenteil von Wissen ist ja nicht „Nicht wissen“, sondern „Glauben“; „Nicht wissen“ ist jederzeit widerspruchsfrei behebbar. Wer etwas nicht weiß, fragt jemanden, der es weiß, und dann weiß er es auch. Religiös Geglaubtes kollidiert gern einmal mit der normativen Kraft des Faktischen, weil die zu glaubende Behauptung in Unkenntnis der Sachlage formuliert worden ist. Wird der Widerspruch offenkundig und belegbar, dann wird das Geglaubte nicht revidiert, sondern im besten Fall über eine Zusatzbehauptung, in der sich Sachargumente totlaufen sollen, von der harschen Wirklichkeit abgeschirmt, wie es mit der Einführung des Intelligent Designs eindrucksvoll belegt worden ist.

Die ursprüngliche Behauptung gegen die Mondlandung lautet: „Die ist nie passiert, weil das gar nicht geht.“ (Wenn die Mondlandungsskeptiker das nämlich für prinzipiell möglich hielten, gäbe es die ganze Diskussion ja nicht.) Nun hat sich gezeigt, dass jeder Grund, der dafür angeführt wurde, warum das schon einmal gar nicht gehen kann, einer Überprüfung nicht standhält. Da könnte man ja einfach sagen: „Aha, das hab ich nicht gewusst, jetzt hab ich was gelernt, dann stimmt das, was ich angenommen habe, also nicht, jetzt weiß ich ein bisserl mehr als vorher.“ Und damit wäre die Sache vom Tisch. Wenn es da um Wissen ginge.

Geht es aber nicht. Jetzt wird eine Zusatzbehauptung an das mittlerweile Geglaubte montiert: „Das ist eine Verschwörung; das, was die Physiker da erzählen, stimmt nicht, und das wissen die auch, die belügen uns absichtlich!“ Was diese Behauptung auf jeden Fall befördert, ist die Tatsache, dass „die Physiker“ untereinander in einer Sprache verkehren, die den allermeisten Menschen von Schultagen an ein Gräuel ist, nämlich in der Sprache der Mathematik. Eine Art Geheimsprache, die nur wenigen Eingeweihten zugänglich ist.

Diese Sprache ist natürlich nicht geheim, die ist sogar sehr öffentlich, aber sie wird von denen, die sie nicht lernen wollen, per Selbstausschluss operativ zur Geheimsprache gemacht. Wenn eine Gruppe Menschen einmal des Gebrauchs einer Geheimsprache sozusagen überführt ist, dann ist dem Gedanken an eine Verschwörung eine prima Einflugschneise eröffnet. Da glaubt jemand, dass etwas Bestimmtes, wie die Mondlandung, nicht geht, dann kommt ein anderer und weiß, dass das sehr wohl geht. Und jetzt ist wieder der sozusagen Gläubige dran; er könnte sagen: „Aha. Ich kann das zwar nicht im Detail überprüfen, weil ich mathematisch und naturwissenschaftlich nicht so sattelfest bin. Wenn’s mich wirklich interessiert, muss ich halt viel lernen, aber ich vertraue einmal darauf, dass die, die das sehr wohl gelernt haben, weil die das halt so sehr interessiert, dass sie sich beruflich mit den Wirkzusammenhängen der Dinge dieser Welt befassen, nicht alle gleichzeitig und bewusst lügen.“ Das ist eine Möglichkeit, damit umzugehen, dass das, was er angenommen hat, nicht stimmt. Oder er glaubt etwas Neues; etwas, was die ursprüngliche Behauptung stützt und in Widerspruch zur Widerlegung steht. „Die Physiker lügen alle!“ Damit sind Sachargumente schon einmal alle aus dem Rennen. Einfach.

Was macht Glauben attraktiver als Wissen? Wissen ist sehr unelastisch und recht mühsam zu erwerben. Wenn ich wissen will, was jemand anderer weiß, dann muss ich das lernen. Wenn ich glauben will, was jemand anderer glaubt, dann muss ich das bloß glauben. Das erfordert nur Bereitschaft, aber wenig Arbeit, und Rückschläge sind praktisch ausgeschlossen, weil Glaubensinhalte vom Theorem der prinzipiellen Falsifizierbarkeit ausgenommen sind. Wissenschaftliche Aussagen unterliegen der Forderung, dass sie überprüfbar sein müssen, mit natürlich der Implikation, dass, falls die Überprüfung negativ ausfällt, die Aussage als „leider falsch“ zurückgewiesen wird und dieser Befund den Formulanten der Aussage zurück an den Schreibtisch oder ins Labor zwingt, um neu nachzudenken.

Wissenschaft ist kein Religionsersatz. Prinzipiell nicht. Religio heißt „Wiederverbinden“. Das „sci“ in „Science“ hat die gleiche Bedeutung wie in „Scissors“, der Schere. Da wird etwas getrennt. „Scheitern“ und „gescheit“ haben denselben Ursprung. Auch da wird etwas getrennt. Beim Scheitern trennt sich der Plan oder das Vorhaben von der Wirklichkeit. Das ist deutlich wahrnehmbar, und daraus kann man dann Konsequenzen ziehen. Wenn man gescheit ist, trennt man bei der Analyse des Geschehenen Ursache von Wirkung und versucht das auf Basis der neuen Erkenntnisse noch einmal, aber eben entsprechend anders. Dazu muss man das vorangegangene Scheitern aber vollinhaltlich zur Kenntnis nehmen. Nur dadurch kann man dann auch gescheiter werden. Das ist sehr mühsam, bringt einen aber letztlich nur dorthin, wo man dann ist. Alles, was man darüber hinaus wissen will, muss man sich wieder genauso erarbeiten und dabei eben in Kauf nehmen, dass man unterwegs immer wieder scheitert, dass eben „falsch“ von „richtig“ getrennt wird. Das muss man schon mögen.

Und das geht auch nicht so glatt und leidenschaftslos ab, wie das jetzt vielleicht klingt; die Einführung des Planckschen Wirkungsquantums war nach Bekunden von Max Planck selbst eine „Verzweiflungstat“, weil das mit dem bis dahin für wahr gehaltenen Weltbild, nämlich dass Veränderungen kontinuierlich geschehen, radikal kollidierte. Aber die Welt ist eben nicht unbedingt so, wie wir das gerne glauben, sondern so, wie sie ist. Und wenn wir drauf kommen, dass unsere Annahmen nicht zutreffen und an der Welt scheitern, dann sind wir gescheiter als vorher.

Der Weg zu Wissen führt immer über Irrtümer; da werden, wenn es sein muss, eben ganze Weltbilder gekippt und in die Asservatenkammer der Geschichte geschubst. „War falsch. Leider. Hätte uns gefallen, ist aber nicht so.“

„Raum und Zeit sind absolut!“ Das wäre schön, weil das auch so augenfällig ist. Da kennt man sich aus. Sind sie aber nicht. „Wenn man nur genau genug hinschaut, dann sieht man auch bei den kleinsten Teilchen, wo die sind und was die machen.“ Das wäre auch praktisch. Gerade für die Wissenschaft. Stimmt aber nicht. Das weiß man. Daraus ergeben sich dann natürlich auch neue Möglichkeiten. Da kann man auf dem Grund dessen, was man jetzt weiß, neue Wege beschreiten. Aber die muss man natürlich zu Fuß gehen und jeden Irrtum, dem man dabei aufsitzt, als solchen akzeptieren. Dieses Programm ist nicht wirklich attraktiv; permanent von „Pfiffig gedacht, aber leider falsch!“ attackiert werden zu können und wieder drei Felder zurückgeschickt zu werden. Und selbst dann, wenn man etwas weiß, muss man dabei wissen, dass man das nur so lange weiß, bis man etwas Besseres weiß. Also schon wirklich mühsam.

Wie einfach ist es dagegen, den Überbringer der schlechten Nachricht, nämlich der Nachricht: „Du hast dich geirrt! Die waren auf dem Mond“ als Lügenbold im Auftrag böser Mächte aus dem Diskurs zu watschen.